Alles begann, als Monika und Rie als Designerinnen in der Entbindungsstation eines großen dänischen Krankenhauses arbeiteten und eng mit Hebammen zusammenarbeiteten. In den letzten sechs Jahren hatten beide zwei Kinder zur Welt gebracht. Das Stillen aus erster Hand zu erleben und gleichzeitig mit den damit verbundenen Herausforderungen konfrontiert zu sein – wie unzureichende Milchproduktion, Krankheit, Arbeit und der Partner in Elternzeit – hat sie zutiefst inspiriert. Sie erfuhren, dass diese Herausforderungen für viele normal sind und bemerkte, dass die auf dem Markt erhältlichen Babyflaschen dem Stillen überhaupt nicht ähnelten.
Ein weltweites Problem
F: Welche Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Stillen sind Ihnen während dieser Zeit besonders aufgefallen?
Monika: Die Hebammen berichteten, dass 50 %* der Frauen Probleme beim Stillen haben, oft begleitet von körperlichen Schmerzen und emotionalem Stress. Diese Probleme sind auch mit einem erheblichen Stigma und Kummer verbunden. Obwohl 98 % der Mütter den Wunsch äußern, zu stillen, schaffen es nur etwa 10 %, die empfohlenen sechs Monate** voll zu stillen.
Wir waren schockiert darüber und fragten Hebammen, warum diese Lücke besteht und welche Alternativen sie empfehlen. Die wichtigste Erkenntnis war, dass es keine geeignete Lösung gab, die sowohl die funktionalen als auch die emotionalen Bedürfnisse von Eltern und Babys erfüllte. Herkömmliche Babyflaschen verschlimmerten die Situation oft durch schnellen Milchfluss, verringerte Intimität und Bedenken hinsichtlich Mikroplastik.
Die Technologie aus der weiblichen Brust
F: Welche Rolle spielten die Geschichten der Eltern als Mitentwickler bei der Entwicklung der Lösung?
Rie: Um tiefer einzutauchen, führten wir Interviews mit vielen Familien und hörten uns persönliche Geschichten von Müttern, Vätern und Partnereltern an. Keine zwei Geschichten waren gleich. Was sie vereinte, war ihr gemeinsames Ziel, ihren Neugeborenen einen gesunden, sicheren und liebevollen Start zu ermöglichen.
Ein zentrales Thema war die Sehnsucht nach körperlicher Nähe. Mütter, die mit dem Stillen aufhörten, trauerten um den Verlust der Intimität, während Väter und Partner den tiefen Wunsch äußerten, diese intimen Stillmomente zu teilen. Dies wurde zu unserem Leitprinzip: ein möglichst natürliches und intimes Erlebnis zu schaffen, das die Haut-zu-Haut-Verbindung visuell und emotional unterstützt.
F: Wie haben Sie diese Erkenntnisse in die Produktentwicklung umgesetzt?
Monika: Wir haben systematisch auf die Rückmeldungen von Familien, Ärzten, Hebammen und Krankenschwestern gehört und jedes einzelne Merkmal der Flasche beeinflusst. Das übergeordnete Ziel war, etwas zu entwerfen, das die Form und Funktion der weiblichen Brust nachahmt. Als wir jedoch sechs verschiedene Fachingenieure konsultierten, stellten wir fest, dass keine vorhandene Technologie deren Komplexität nachbilden konnte.
Diese Lücke unterstrich, dass Innovationen im Bereich der weiblichen Anatomie hinterherhinken, obwohl die Hälfte der Weltbevölkerung weiblich ist. Wir mussten es von Grund auf neu erfinden und Erkenntnisse und Fachwissen miteinander verbinden. Nach fünf Jahren Forschung, Entwicklung und umfangreichen Tests mit unserer Community haben wir endlich eine Lösung gefunden.
Die innovative Lösung
F: Erzählen Sie uns etwas über das Endprodukt und was es einzigartig macht.
Rie: Das Ergebnis ist eine doppelt patentierte Technologie, die die Flasche luftfrei hält und gleichzeitig einen langsamen, vom Baby kontrollierten Milchfluss aufrechterhält, was volle Intimität beim Füttern ermöglicht. Sie geht über traditionelle Geschlechterrollen hinaus und erkennt die Individualität der Pflegeerfahrungen an.
Unsere Stützflasche ermöglicht es allen – Müttern, Vätern und Partnern –, ihr Kind in natürlichen Positionen zu stillen, mit oder ohne Muttermilch. Sie fördert die Herzverbindung und stimuliert Oxytocin, wodurch die Bindung zwischen Eltern und Baby gestärkt wird.
Gestaltung für eine nachhaltige Zukunft
F: Sie legen auch Wert darauf, beim Design auf Kreislaufprinzipien zu achten. Könnten Sie das näher erläutern?
Monika: Absolut. Die Stützflasche ist aus sauberen Materialien ohne Aufdruck, Farbe oder Oberflächenbehandlungen gefertigt, sodass keine Chemikalien in das Produkt gelangen. Die Milch kommt nur mit reinem Silikon in Kontakt, wodurch verhindert wird, dass Mikroplastik zum Baby gelangt, ein häufiges Problem bei Plastikflaschen.
Das Produkt besteht aus Monomaterialien, sodass Teile ausgetauscht, sortiert, recycelt oder zur Wiederverwendung desinfiziert werden können. Es wird lokal in Deutschland und in einer familieneigenen Fabrik in Dänemark hergestellt. Das faltbare und stapelbare Design minimiert den Transport- und Verpackungsaufwand.
Gemeinschaft für jede Familie
F: Wie unterstützt caramma die Elterngemeinschaft über das Produkt hinaus?
Rie: Wir möchten die Tabus und die Einsamkeit ansprechen, die oft mit Problemen beim Stillen einhergehen. Durch Gemeinschaftsveranstaltungen und unsere gesponserten Podcasts (auf Dänisch) „Lyse Nætter og Mælkeletter“, die die Stillberaterin Maj Aaberg und ich erstellt haben, um ehrliche Geschichten und Expertenratschläge zu teilen, möchten wir Wissen verbreiten und Verbindungen aufbauen.
Unsere Mission geht über die bloße Entwicklung eines Produkts hinaus; wir streben danach, ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem anzugehen, das täglich für Millionen von Eltern und Babys erhebliche emotionale Folgen hat.
* Bis zu 50 % der Frauen in DK/USA haben Probleme beim Stillen . (Quelle: DK: SST. USA: NLM)
** Während bis zu 98 % der Mütter den Wunsch äußern, zu stillen, stillen in der EU/den USA nur etwa 10 % die empfohlenen 6 Monate lang (Quelle: DK: SST, USA: CDC & EU: Eurostat)
